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Am englischen Königshof des 18. Jahrhunderts Georg Michael Moser und Mary Moser aus Schaffhausen


Bunte Buntstifte in einer Schachtel auf einem Holztisch, vorne halb geöffneter Deckel.


Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts trugen auch etliche Schweizer und Schweizerinnen zum künstlerischen Leben in der Großstadt London bei. Unter ihnen finden wir den Goldschmied und Emailleur Georg Michael Moser (1706-1783) und seine Tochter Mary (1744-1819). Ihre Heimat Schaffhausen lag in einer damals noch entlegenen Gegend, was das gelegentlich zu hörende Vorurteil straft, dass hohe Kunst nur in Metropolen entstehen könne. Den talentierten Georg Michael Moser zog es dann 1726 nach London, wo er erfolgreich wirkte.


Dem Beitrag von Barbara Schnetzler ist zu entnehmen, dass Georg Michael Moser exquisite Tabakdosen und Uhrenmedaillons herstellte, die in London hoch begehrt gewesen seien. Wie William Hogarth - einer der ersten Maler seiner Zeit, liesse sich beifügen - habe Moser eine Privatakademie geführt und dadurch auch Zugang zum Königshof gehabt.


Barbara Schnetzler, Georg Michael Moser, S. 173-178. In: 


Angesichts dieser Nähe zum Königshaus sind wir nicht überrascht, dass Vater und Tochter Moser von Georg III. mit besonderen, ausnahmehaften Würden gleichsam geadelt wurden. Als er im Jahre 1768 die Royal Academy of Arts ins Leben rief, ernannte er die beiden zu Gründungsmitgliedern. In welch erlauchten Kreis sie eintraten, zeigt sich darin, dass Joshua Reynolds, der wahrscheinlich bekannteste englische Künstler der Zeit, vom König zum Leiter des Gremiums erkoren worden war. Unter den vierunddreissig Notablen war auch der renommierte Maler Thomas Gainsborough, dazu weitere namhafte bildende Künstler der damaligen Zeit aus Frankreich, Italien und Deutschland im Umfeld des englischen Königshauses. Bemerkenswert ist, dass zu den Gründungsmitgliedern lediglich zwei Frauen zählten, und dass diese beiden Frauen nicht Engländerinnen sondern Schweizerinnen waren: Mary Moser und neben ihr Angelika Kauffmann.


Von besonderer Brisanz, und auch von einer Brise britischer Exzentrizität, ist ein Gemälde des Malers Johann Zoffany, das die Gründungsmitglieder zeigt, denen er selber angehörte. Wir erblicken sie in einem Halbkreis in einem Saal; sie schauen in die Richtung eines Mannes, der auf der rechten Seite des Bildes nackt auf einem Stuhl sitzt. Ein anderer Mann scheint sich, etwas autistisch wirkend, gerade seiner Kleider zu entledigen. Welcher tiefere Sinn das Gemälde hat, lässt sich hier nicht erschliessen. Indes: Wenn wir Mary Moser und Angelika Kauffmann auf diesem Gruppenbild suchen, so suchen wir sie vergeblich. Offensichtlich galt es zu jener Zeit als unschicklich, unsittlich gar, die beiden zarten jungen Frauen dem Anblick zweier nackter Männerkörper auszusetzen.


Doch der Deutsche Zoffany, ein notorischer Tausendsassa am damaligen Hof - und mit einer bizarren Lebensgeschichte, der nachzugehen sich lohnt -  


Penelope Treadwell, Johan Zoffany. Artist and adventurer (London 2009)


behalf sich mit einem sonderbar anmutenden Trick. Oben rechts im Bild fügte er an der Wand gut sichtbar Portraits der beiden Schweizerinnen ein. Damit waren auch sie nicht ausgeschlossen, waren an der Gründungsversammlung der Royal Academy of Arts anwesend. 


Eine aufschlussreiche Beschreibung dieses ungewöhnlichen Gemäldes, mit Abbildung, bei Christa Blenk:


Mary Moser: Portraits und Blumen


Mary Moser, die ausserhalb von Grossbritannien heute etwas in Vergessenheit geraten ist, wurde in London geboren und verbrachte ihr ganzes Leben in England, wurde eingebürgert („naturalized“) und starb 1819 in London, wie ihr Vater dort vor ihr im Jahre 1783. Gemäss dieser Recherche haben sich keine Hinweise darauf finden lassen, dass sie die Schweiz, ihre ursprüngliche Heimat, einmal besucht hätte. Sie malte mit Vorliebe Portraits und Blumen. Ihr überschaubares Werk ist insbesondere bei Kunstfreunden und -innen in England,  dem Land mit einem ausgeprägten Sinn für Floristik, auch heute unvermindert beliebt und kann im Internet bewundert werden. 


Ergänzend:

Germaine Greer bringt Mary Mosers Malerei mit der holländischen Tradition in Verbindung:

Greer, Germaine, The Obstacle Race: The Fortunes of Women Painters and Their Work (New York 1979), S. 247-249.



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