Im Phrasensumpf - Narrative, Hoffnungsträger, Deals … endlos
- hugo2825
- 26. Jan.
- 1 Min. Lesezeit
Im Journalismus des Jahres 2025 sind diese drei Wörter zu Spitzenreitern auf- bzw. niedergestiegen. Sie sollen offenbar originell sein. Doch wenn die Qualität in der Originalität liegt, hat sich das Lesevergnügen bereits nach dem ersten Mal erschöpft. Was, wenn auch etwas angestrengt, kreativ sein wollte, wird in der Wiederholung zur unerträglichen Floskel. Dennoch, wo und was derzeit in der Presse gesagt wird: Es ist ein stetes „Narrativ“, von der Mitteilung des Nachbarn bis hin zu Putins Sicht der russischen Geschichte. Desgleichen wimmelt es von Hoffnungsträgern. Gavin Newsom sei einer, ebenso Papst Leo XIV, und auch Paul McCartney mit seinem neuen Lied. Wir dürfen gespannt sein. Und die ganze Welt ist zum Deal geworden, vom verbilligten Waschmittel im Supermarkt über den neu abgeschlossen Hypothekarvertrag bis hin zur Zollvereinbarung zwischen den USA und der Schweiz. Es ist erstaunlich, wie diese hirnlos versimpelte Sprache, die Vorstellung von der Welt als einem alles beherrschenden Deal, unreflektiert nachgeschwatzt wird. Dabei gäbe es zahlreiche deutsche Begriffe, die den jeweiligen Sachverhalt exakter erfassen.
Karl Kraus bezeichnete diesen stumpfsinnigen Gebrauch von endlos wiederkehrenden Floskeln treffend als Phrasensumpf. Bewussten Leserinnen und Lesern geht dieser Phrasensumpf, in dem vorab die tabloide und leider beobachtbar zunehmend auch die Presse mit erhöhtem Anspruch watet, auf die Nerven. Aba! Sie legen die Zeitung bald einmal verärgert beiseite, im schlimmsten Fall: Sie abonnieren sie nicht mehr. Die journalistisch sprachliche Sorgfalt wird zur Überlebensstrategie, insbesondere auch für die Zeitung selbst. Journalisten und -innen, die eigenständig denken, kommen ohne modische Phrasen und Worthülsen aus; sie formulieren ihre eigenständigen Gedanken auch eigenständig. Sache und Sprache sind, so Karl Kraus, eins, untrennbar. Dürfen wir im neuen Jahr auf Besserung hoffen?


Kommentare