Die Natur, vertont in der britischen Musik
Aktualisiert: 1. Sept.

Programmmusik
Die Musik des neunzehnten Jahrhunderts nimmt einen besonderen Platz ein. Die Programmmusik, die sich grosser Beliebtheit erfreute, vertonte die Vielfalt der Schöpfung: das Meer, Seen, Flüsse, Berge, Landschaften, ganze Länder, gar den Kosmos. Robert Schumanns rheinische, Felix Mendelssohn-Bartholdys italienische Symphonie oder Gustav Holsts Orchestersuite The Planets zählen zu den besonders bekannten Werken in dieser Richtung. Dazu setzten die Komponisten auch Themen und Motive aus der Literatur, der Bildenden Kunst oder der Architektur musikdramatisch um, beispielsweise Modest Petrowitsch Mussorgski mit seinen Bildern einer Ausstellung, Pjotr Iljitsch Tschaikowski mit Romeo und Julia oder Hector Berlioz mit der Symphonie fantastique.
Blumen und Gärten
Die Programmmusik wurde insbesondere in der europäischen romantischen Bewegung mit ihrem starken Bezug zur Natur bevorzugt gepflegt, bei genauer Betrachtung war sie aber nicht neu; in Ansätzen und sogar darüber hinaus gibt es sie seit jeher. Die Vertonung von Aspekten der genannten Art finden wir bereits in der englischen Renaissance, beispielsweise in der Madrigalkunst, die sich vom italienischen Muster emanzipiert hatte. Das belcanto der Italiener (Luzzasco Luzzaschi, Luca Marenzio, Carlo Gesualdo und zahlreicher anderer Madrigalisten), als Vorläufer der italienischen Oper, hören wir bei den englischen Komponisten kaum mehr. Anders als die oft von Liebeskummer triefenden italienischen Madrigale klingen ihre Lieder unbeschwert und zeigen eine Nähe zu den fröhlichen englischen Volksweisen.
England ist das Land, wo Blumen und Gärten traditionell besonders liebevoll gepflegt werden. Wen erstaunt, dass in vielen englischen Madrigalen das tragende Thema der Liebe mit Motiven und Elementen aus der Floristik und der Gartenkunst eine enge Verbindung eingeht?
John Bennet lässt in All creatures now are merry-minded die Verse erklingen:
The flowers themselves discover;
Birds over her do hover;
Music the time beguileth.
Die Blumen preist Thomas Campion bereits im Titel seines Liedes, Now hath Flora, gefolgt von den Versen
Flowers with bridals well agree,
Fresh as brides and bridegrooms be.
Auch der Madrigalist John Wilbye lässt die Blumengöttin Flora mit ihrem Segen bereits im ersten Vers, gemeinhin als Liedtitel genommen, in Erscheinung treten:
Flora gave me fairest flowers,
None so fair in Flora's treasure.
These I placed on Phyllis' bowers,
She was pleased, and she my pleasure.
Michael East besingt seine Angebetete in seinem unvergleichlichen Madrigal You Meaner Beauties of the Night mit Veilchen, in der unvergleichlichen Interpretation von Emma Kirkby:
You violets, which first appear
By those your purple mantle known,
Auf erstaunliches Interesse stiessen mehr als zwei Jahrhunderte nach ihrer Entstehung Gedichte aus dem Kreis der Cavalier Poetry (deutsch: Kavaliersdichtung), von Robert Herrick (1591-1674), eines späteren Zeitgenossen der englischen Madrigalisten aus dem elisabethanischen und jakobinischen Zeitalter. Seine Verse sind insbesondere im 19. und 20 Jahrhundert neu entdeckt und vertont worden. „To Daffadills“ (die Orthographie folgt der Originalausgabe) erschien 1648 in Herricks umfangreicher Gedichtsammlung Hesperides. Sein Leitmotiv ist die Vergänglichkeit alles Irdischen, weshalb die Zeit froh und sinnenfreudig genutzt werden soll. So auch in „To Daffadills“, den Narzissen, die traditionell ein Symbol der Hoffnung und Zuversicht sind und deshalb, als April- oder Osterglocken, wie sie auch heissen, mit dem Osterfest verbunden werden:
Faire Daffadills, we weep to see
You haste away so soone:
As yet the early-rising Sun
Has not attain'd his Noone.
Stay, stay,
Until the hasting day
Has run
But to the Even-song;
And, having pray'd together, we
Will goe with you along.
We have short time to stay, as you,
We have as short a Spring;
As quick a growth to meet Decay,
As you, or any thing.
We die,
As your hours doe, and drie
Away,
Like to the Summer's raine;
Or as the pearles of Mornings dew,
Ne'r to be found again.
In Musik gesetzt wurde „To Daffadills“ unter anderen von den Komponisten Frederick Delius, Ralph Vaughan Williams und Arthur Sullivan. The LiederNetArchiv (https://www.lieder.net/lieder/intro.html, eine einzigartige Sammlung von über 220’000 Liedern in 125 Sprachen) zählt insgesamt vierundzwanzig Vertonungen dieses Gedichtes. Darunter auch eine von Benjamin Britten, der „To Daffadills“ in seinen fünfteiligen Liederzyklus Five Flower Songs integrierte. Jeder Song vertont ein Gedicht, von Robert Herrick neben „To Daffadills“ ein zweites, The Succession of the Four Sweet Months, dazu je eines von George Crabbe (1754-1838), Marsh Flowers, John Clare (1793-1864), The Evening Primrose, und von einem unbekannten Lyriker, The Ballad of Green Broom. Und wie bei Britten besteht auch Hubert Parrys Chormusik „Fair Daffodils“ aus fünf Teilen, die hier aber alle Robert Herrick umsetzen.

In der englischen Vertonung blüht die Rose, das Sinnbild für die Liebe, etwas im Schatten des so beliebten Daffodils. Aber auch sie wird sorgsam gepflegt, reichlich bei den Madrigalisten, zum Beispiel: „Fair is the rose“ von Orlando Gibbons, in Thomas Morleys „Besides a fountain of sweet briar and roses“, oder in John Wilbyes
Sweet honey-sucking bees, why do you still
Surfeit on roses, pinks and violets.
Vom englischen Barockmeister Henry Purcell mit „Sweeter than Roses" bis hin zur jüngeren Zeit - wie bei den Daffodils entdecken wir auch bei den Roses wieder zahlreich Vertonungen von Gedichten. Genannt sei zum ersten „Go, lovely Rose" von Edmund Waller (1606-1687), einem weiteren Cavalier Poet, das der Komponist Roger Quilter (1877-1953) in seinen Liederzyklus Five English Love Lyrics aufgenommen hat. In diesen Bereich der musikalischen Verarbeitung gehört auch Gerald Finzi (1901-1956). In seinen Seven Partsongs vertont er sieben Gedichte von Robert Bridges (1844-1930), einem Poet Laureate, darunter auch die Rose in I Praise the Tender Flower. Und einmal mehr fehlt der naturverbundene Gustav Holst nicht; sein „To A Wild Rose“ für Sologesang und Piano setzt Verse von Alfred Henry Hyatt in Musik um.
Ergänzend sei beigefügt, dass die Rose in der Lyrik des Inselreiches über die Jahrhunderte zahlreich gepriesen wird, beispielsweise vom Schotten Robert Burns, „A Red, Red Rose", von William Blake, „The Sick Rose“ oder von William Butler Yeats, „The Rose of the World“. Vielleicht gibt es gar von ihnen musikalische Umsetzungen ?

Tiere - „birds and beasts“
In Madrigalen tragen Tierlaute oft zusätzlich zur Freude und zum Ergötzen in der Natur bei, wie im obig angeführten Lied von John Bennet, oder in Thomas Morleys On a fair Morning:
When a sweet love sings his lovely, lovely lay,
And every bird upon the bush bechirps it up so gay.
This sweet and merry month of May
While Nature wantons in her prime.
And birds do sing, and beasts do play
For pleasure of the joyful time.
Winter and the Birds von Gustav Holst für Chor und Piano, basierend auf dem Text von Fritz Bennicke Hart, setzt ein optisch eindrückliches winterliches Bild musikalisch originell um. Die wahrscheinlich vollendetsten britischen Intonsetzungen von Tierlauten stammen von Ralph Vaughan Williams und Frederick Delius. Der erstere lässt in The Lark Ascending mit luftigen Klängen eine Lerche in die Höhe aufsteigen, in Delius’ On Hearing the First Cuckoo in Spring erklingt der Ruf des Kuckucks. Sehen wird zu hören; mit synaestetischem Geschick führen uns die beiden Komponisten von der einen Dimension der Wahrnehmung hinüber in die andere.
Der englische Wind
Großbritannien ist als Inselreich inmitten des Meeres dem Wind stärker ausgesetzt als das Festland. Der Wind bestimmt das wechselhafte Wetter mit und ist ein Alltagsthema. In zahlreichen Liedern der Folklore spielt er eine wichtige Rolle (The Unquiet Grave, The Wind that Shakes the Barley, Cold Blow and the Rainy Night), häufig als Überbringer von Nachrichten, guten oder schlechten.
Die ersten britischen Vertonungen des Windes gehen wiederum zurück in die frühe Renaissance. Für die Komposition seiner Western Wynde Mass nutzte der Komponist John Taverner (1490-1545), der ausschliesslich Kirchenmusik schrieb, den Folksong gleichen Namens. Der kurze Text ist unmissverständlich erotisch: Die Sprecherin oder der Sprecher wünscht den Regen herbei, und dann als Pointe ebenso den Geliebten oder die Geliebte:
Westron wind, when will thow blow?
The small rain down can rain.
Christ, if my love were in my arms,
And I in my bed again.
Der englische Folksong kann hier angehört werden:
Taverner schuf so eine aussergewöhnliche, gewagt anmutende Verbindung von Sakralem und Profanem. Seinem Beispiel folgten ehrfurchtsvoll seine etwas jüngeren Zeitgenossen John Sheppard und Christopher Tye, die ebenfalls eine Western Wynde Mass komponierten.
Auch in jüngerer Zeit ist der britische Wind musikalisch umgesetzt worden. In seiner Ode to the North East Wind für Männerchor und Orchester preist Gustav Holst, basierend auf dem Poem des dichtenden Pfarrers Charles Kingsley, nicht etwa die harschen, sondern die wohlwollenden Qualitäten des englischen Windes: Welcome, wild North-easter. (...) Blow, thou wind of God!
Die Jahreszeiten
Eng verbunden mit dem Wind sind die Jahreszeiten und der Wechsel von der einen zur anderen. William Boyce und Thomas Arne aus dem achtzehnten Jahrhundert huldigen mit ihren Liedern dem Sommer und dem Winter, der erste mit Twas summer time oppressed with heat, Arne mit seinen Sammlungen Summer amusement und Winter's amusement.
Sommerliche Klänge erschallen auch bei den Komponistinnen und Komponisten der jüngeren Zeit, bei Frederick Delius (A Song of Summer, In a Summer Garden und Summer Night in the River), Benjamin Britten (Spring Symphony), Mary Anne A’Becketts Ballade Oh! come again sweet summer time und wieder reichlich bei Gustav Holst (A Spring Song, Summer's Welcome, Spring It Is Cheery).
Beliebt sind auch bei den Jahreszeiten musikalische Umsetzungen von Gedichten. Beispielsweise vertont Edward Elgar in A Song of Autumn Lyrik von Adam Lindsay Gordon, Ralph Vaughan Williams in In the Spring Verse des englischen Universalgelehrten William Barnes (1801-1886). Insgesamt ragt hier Gustav Holst heraus, der zu allen Jahreszeiten komponierte und zu einzelnen gleich mehrfach.
Wer sich für Vertonungen des Meeres, der Küste, von Flüssen oder Bächen in der britischen Musik interessiert, kann auch hierzu viel Interessantes entdecken. Und dazu Überraschendes: Nicht alle englischen Landschaften, die in der Musik umgesetzt worden sind, existieren auf der Landkarte. Gustav Holst, beispielsweise, vertonte Egdon Heath, eine Fantasielandschaft in der Grafschaft Wessex in den Romanen von Thomas Hardy.
Vertonungen der jüngsten Zeit
Erfreulicherweise zu beobachten ist, dass auch in der britischen Folk-, Pop- und Rockmusik seit den Sechzigerjahren sowie im britischen Jazz inspirierte Vertonungen der besprochenen Art geschaffen worden sind. Ein frühes Beispiel dafür sind Spooky Tooth mit ihrem originellen Anruf an den Wind, Waiting for the Wind (1969).
Ein beeindruckendes programmatisches Werk kommt von Amazing Blondel. Sie besingen, wie der Titel ihrer Aufnahme, England, verrät, ein ganzes Land, ihr geliebtes Albion, mit all seinen landschaftlichen Schönheiten. Ihre Suite „The Paintings" besteht aus „Three pastoral settings", Seascape, Landscape, Afterglow, und dann folgt A Spring Air. Das Werk klingt aus mit der Eigenkomposition „Dolor Dulcis (Sweet Sorrow)" - vielleicht eine Anspielung auf „semper Dowland, semper dolens" des überragenden elisabethanischen Lautenisten? Hier dürfen wir von einem Meisterwerk der Überklasse sprechen. Die Kreativität, Originalität, die Passion, die geradezu übersprudelnde Spielfreude (und alles bleibt akustisch, nicht elektrisch), welche die drei Musiker von Amazing Blondel versprühen, reisst ab dem ersten Takt mit. Die Gruppe kommt aus dem britischen Folkrevival und orientiert sich auch an der alten englischen Musik, der sie mit eigenen Kompositionen huldigt. Das ebenso originelle Gemälde von Colin Carr auf dem Umschlag zeigt sie mit Pferd und Wagen auf einem englischen Marktplatz.
Es ist bedauerlich, dass Amazing Blondel in Vergessenheit geraten sind, denn auch alle ihre anderen Aufnahmen (z. B. Fantasia Lindum, Evensong oder A Foreign Field that is Forever England) preisen die Schönheiten der Insel und sind wie England gleichermassen Perlen. Nach rund zwei Jahrzehnten Pause spielten die drei Musiker im Jahre 1997 mit dem sprechenden Titel Restoration eine neue Aufnahme im selben Genre ein. Ihre einstige lange Lockenpracht im Stile der elisabethanischen Zeit ist nicht mehr; deswegen sind sie jetzt in Perücken abgebildet. Die Spiel- und Lebensfreude, der Witz und der Schalk der drei talentierten Exzentriker ist ungebrochen. Truly amazing, indeed.
Ein komplexes Werk erschien 1970 von The Nice mit dem Pianisten und Organisten Keith Emerson zusammen mit dem Orchester Sinfonia of London unter Joseph Eger und den namhaften britischen Jazzmusikern jener Tage. Ihre Five Bridges Suite vertont die damals fünf Brücken in Newcastle über den Fluss Tyne. Das Opus steht in der Tradition von Ralph Vaughan Williams’ London Symphony, Edward Elgars The Severn Suite oder der London Suite von Eric Coates.
The Strawbs und ihrem talentierten Lyriker Dave Cousins gelang 1971 mit A Glimpse of Heaven eine pastorale Miniatur der englischen Landschaft:
The hillside was a patchwork quilt
Neatly stitched with tidy hedge
And crumbling grey-stone wall
The trees were bare
But spring was near
(...)
I think I must have caught a glimpse of heaven.
Emerson, Lake & Palmer adaptierten 1971 Mussorgskis Bilder einer Ausstellung weitgehend werkgetreu. Die Programmmusik hielt mit dieser (Live-)Aufnahme Einzug in die so genannte Progressive Music jener Zeit; dies machte Pictures at an Exhibition zu einem spektakulären und gefeierten Novum. Die Band um den virtuosen Pianisten und Organisten Keith Emerson bearbeitete mit Vorliebe auch Werke aus der so genannten e-Musik (Bach, Dvorak, Tschaikowski, Béla Bartók, Alberto Ginastera). Ihre hoch dynamische, energetisch geladene Version von Jerusalem (1973), William Blakes Hymne an „England's green and pleasant land", vertont von Hubert Parry, war so mächtig, so orgiastisch, ein Sakrileg, dass sie im BBC Radio nicht gespielt werden durfte. Im selben Jahr erschien Firth of Fifth von Genesis, die Phantasie einer schottischen Flusslandschaft - to see reflected there / the trees, the sky, the lily fair (...) Now as the river dissolves in sea (...). Beeindruckend setzt der Gitarrist die bedrohlichen Kräfte des reissenden, gefährlich anschwellenden Stromes (firth: insb. schottisch für Meeresarm, Flussmündung, ähnlich dem nordischen Fjord) in seinem ausgedehnten, sich dramatisch steigernden Solopart musikalisch um. Das Stück ist eine packende Meisterleistung in dieser Sparte der Vertonung.
Auch im britischen Folk und Rock sind die Schauspiele von William Shakespeare wichtig. Die Musiker und Musikerinnen unserer Zeit reihen sich in eine englische Tradition ein. Wie die grossen englischen Komponisten, Henry Purcell, Arthur Sullivan oder Benjamin Britten, haben etliche von ihnen für das Theater so genannte Inzidenzmusik, Schauspielmusik komponiert. Ein früher, inspirierter Beitrag kommt von der Londoner Band Gryphon. Ihre Mitglieder waren Absolventen des Royal College of Music. Mit ihrer aussergewöhnlichen Instrumentierung, Krummhorn, Fagott, Gitarre, Cembalo, Flöten der verschiedenen Art, weckten sie zu Begin der Siebzigerjahre die Musik aus dem Mittelalter und der Renaissance zu neuem Leben. Wie ihr Krummhorn- und Fagottspieler Richard Harvey im Beiheft zur Wiederveröffentlichung (1996) der Suite Midnight Mushrumps (1973) schreibt, komponierte er diese inspiriert von seiner Schaupielmusik zu Shakespeares The Tempest, im Auftrag des renommierten Shakespeareintendanten Peter Hall und der National Theatre Company. Die Aufnahmen von Gryphon sind anspruchsvoll und sind ein Nischenprodukt für speziell Interessierte geblieben. Der Name der Suite, Midnight Mushrumps (wörtlich Mitternachtspilze), ist eine Anspielung von Herzog Prospero (The Tempest, V.1) auf zeitgenössische Zauberei und auf die Magie der Nacht, bevor er die Insel, eine üppige, von der Zivilisation unberührte Landschaft, verlässt und als Herrscher in sein duchy, sein Herzogtum, zurückkehrt. Gryphons musikalische Umsetzung dieser geheimnisvollen, wilden Landschaft hat auch nach gut fünfzig Jahren seit der Entstehung nichts von ihrer Kreativität und Originalität, nichts von ihrer Frische verloren.
Die Urgewalten der Natur in William Shakespeares A Midsummer Night's Dream sind von Steve Hackett (1997) und Mick Abrahams (2001) auf eindrückliche Weise musikalisch umgesetzt worden. Hacketts Version ist vor kurzem neu erschienen, jene von Abrahams bleibt eine Rarität, da er sie nur an Konzerten zum Kauf anbot.
Im Bereich des britischen Jazz schuf Neil Ardley die komplexe, aus vier Teilen bestehende Suite A Symphony of Amaranths (1971). Der Begleittext der Wiederveröffentlichung (2012) ist erhellend: Der Komponist huldige mit seinem Werk einer nie verblühenden, nie verwelkenden Pflanze (griech. amarantos), die in der Literatur, beispielsweise in Äsops Fabeln und in Miltons Paradise Lost, Unsterblichkeit symbolisiere. Und die Symbolik ist zweifach, weil Ardley seine Suite Duke Ellington und Gil Evans widmet, two Jazz immortals, wie er sie nennt.
Mit Granite: A Soliloquy (2018) vertont die Sängerin, Hornistin und Flötistin Kate Westbrook zusammen mit ihrem Ehemann, dem Pianisten, Komponisten und Bandleader Mike Westbrook, und der Granite Band die Gegend um Dartmoor in Devon, eine Moor- und Granitlandschaft, an welche die Jazzerin ihr Herz verloren hat.
Besondere Erwähnung verdient auch der Organist und professionelle Orgelbauer Hugh Banton aus dem Umfeld der Progressive Music der Siebzigerjahre und nachfolgend. Er spielte die Orchestersuite The Planets (hier ein Auszug) von Gustav Holst auf einem von ihm selbst gebauten Instrument ein (2009). Angesichts der Komplexität von Holsts Werk vollbrachte er mit seiner kreativen Umsetzung eine künstlerisch hoch anspruchsvolle Leistung.
Und mit Hugh Bantons The Planets hat sich der Kreis unserer Betrachtung über die Jahrhunderte geschlossen. Vertonungen dieser Art sind ein Genre übergreifendes urtümlich englisches Phänomen, das von den Anfängen bis auf den heutigen Tag reicht.
The Complete Poetry of Robert Herrick. 2 Vols. Ed. Tom Cain and Ruth Connolly (Oxford University Press 2013). "Two Daffadills" auf Seite 119.
Tondokumente:
Die meisten besprochenen Musikwerke sind in der einen oder anderen Form (CD, Schallplatte, download) erhältlich. Dazu die links.
Besprochene Musik (Auswahl):
Madrigals and Wedding Songs for Diana. The Consort of Musicke, directed by Anthony Rooley with Emma Kirkby and David Thomas. Hyperion A66019 (1981).
Aus Anlass der Heirat von Lady Diana Spencer und Prince Charles am 29. Juli 1981.
Sing We and Chant It! English Madrigals. The King's Singers. EMI ASD 4092 (1982).
The Strawbs, From the Witchwood. A&M AMLH 64304 (1971).
The Strawbs, Grave New Word. A&M AMLH 68078 (1972).
Enthält die Pastorale The Flower and the Young Man. Der grossformatige Originalumschlag zeigt das Bild Glad Day, Albion Rose, The Dance of Albion des englischen Romantikers William Blake.
Hugh Banton, The Planets. FIE 9133 (2009).
Photos © HMS, SCC



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